Amerikas Handelsdefizit mit China wächst weiter

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10. Mai 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die USA heizen den Handelsstreit mit China weiter an. Zölle auf chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. US-Dollar wurden nun von 10 auf 25 Prozent erhöht. Allerdings schadete die US-Politik einer Analyse zufolge den eigenen Exporteuren bislang mehr als den chinesischen. Das US-Handelsdefizit mit China erhöhte sich sogar noch.

Die US-Regierung hat ihre Drohung wahrgemacht: Wie angekündigt setzte Washington eine Anhebung von Sonderzöllen gegen China um. Am frühen Freitagmorgen wurden Medienberichten zufolge die Zölle auf chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. US-Dollar von 10 auf 25 Prozent erhöht. Damit steigert das Weiße Haus im Handelsstreit den Druck auf Peking. Bereits Anfang 2018 hatten die USA damit angefangen, Zölle auf US-Importe mit Ursprung in China anzuheben. Das Ziel war, chinesische Produkte teurer und damit für die US-Verbraucher unattraktiv zu machen. China reagierte darauf mit der Einführung von Zöllen auf US-Produkte. 

Schaden für US-Exporteure

Allerdings schadete die US-Politik den eigenen amerikanischen Exporteuren bislang mehr als den chinesischen. Das geht aus den jüngsten Handelsdaten und dem „Chart der Woche“ des Vermögensverwalters DWS hervor. Im Handel mit den USA seien die chinesischen Exporte im April um 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, die Importe jedoch um 25,7 Prozent – Amerikas Handelsdefizit mit China wuchs den Angaben zufolge somit weiter an. Im Vergleich zum vierten Quartal 2018 seien die chinesischen Exporte in die USA um 3 Prozent gesunken, während die chinesischen Importe von US-Waren um 15 Prozent zurückgegangen seien.

„Eine starke Konsumentenstimmung der Amerikaner und vorgezogene Käufe zur Umgehung dieser Zölle können teils erklären, warum die Importe aus China in die USA relativ gering schrumpften“, erklärte Xueming Song, China-Ökonom der DWS. „Ich glaube, dass Chinas Widerstandsfähigkeit gegenüber den US-Zöllen zum Teil auch daher rührt, dass das Land in den letzten Jahren seinen Exportmarkt verbreitern konnte, ob nach Europa oder nach Asien."

Der Rückgang der Importe von US-Waren weist der Analyse zufolge teilweise auf ein breiteres Problem der USA hin. Sojabohnen etwa, die China früher in den USA gekauft habe, würden nun zunehmend aus Brasilien bezogen – als Reaktion auf die Vergeltungszölle Chinas. Damit liege der Schluss auf der Hand, dass eine weitere Eskalation des Handelskonflikts für fast alle, angefangen bei den US-Verbrauchern, kostspielig sei. Die bisherigen Daten zeigten, dass das auch für die US-Exporteure, die angeblichen Profiteure der Handelspolitik Washingtons, gelte. (ud)

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